Die Waldentwicklung zwischen dem 1. und 13. Jahrhundert n.Chr.

Über Jahrhunderte hinweg war der Vogelsberg Teil eines riesigen unberührten Urwaldes, dessen Wildnis von alten Schriftstellern als ‚vasta solitudo Buchoniac“ beschrieben wird. Vor allem für die Römer, die fast bis an den südlichen Rand des Vogelsberges vorstießen, war der hier vorhandene Urwald abschreckend und furchteinflößend. So wurde auch von ihnen kaum der Versuch gemacht, diesen Urwald in nennenswerter Weise zu nutzen.

Erst etwa ab dem 8. Jahrhundert kam der sogenannte Landausbau im Vogelsberg in Gang. Das große, unbewohnte Waldgebiet lockte im frühen Mittelalter die Menschen der angrenzenden Siedlungsländer zur Besitznahme. -
So beginnt auch im Vogelsberg etwa ab 700 n. Chr. eine intensive Rodungs- und Siedlungstätigkeit, die bis in das 13. Jahrhundert hinein andauert und den gesamten Vogelsberg einschließlich der Oberwaldregion erfasst. Der Wald wird von den Rändern her zunehmend zur Schaffung von landwirtschaftlichen Nutzflächen, aber auch für neue Siedlungsflächen gerodet. Gleichzeitig blüht im Vogelsberg die Eisenindustrie auf. Es entstehen in den großen Waldgebieten Eisenhütten und Waldschmieden mit den dazu gehörenden Köhlern, die riesige Waldflächen im Oberwald zerstören.

Am Ende dieser Siedlungs- und Rodungsphase hat im 13. Jahrhundert die Siedlungsdichte im Vogelsberg ihren Höhepunkt erreicht und damit auch den Höhepunkt der Waldverdrängung. Nur noch auf wenigen Kuppen, einigen entfernt gelegenen Höhenzügen und anderen unzugänglichen Teilen des Oberwaldes haben sich wenige Restwälder aus Buche und Ahorn sowie Eberesche gehalten.

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