Die Waldentwicklung von 1985 bis heute

Die vor mehr als 100 Jahren entstandene neue Waldgeneration mit Fichte ist den heutigen sogenannten modernen Waldschäden nicht mehr gewachsen. So werden diese Wälder ganz besonders durch den Eintrag von Schadstoffen (saurer Regen) aber auch durch eine zu beobachtende Erwärmung des Klimas und daraus folgernd eine Zunahme der Entwicklung waldschädigender Insekten so geschädigt, dass ihr natürliches Ende absehbar ist.

Im Rahmen der seit 1989 für Hessen verbindlichen sogenannten „naturgemäßen Waldwirtschaft“ haben sich die Förster im Vogelsberg zum Ziel gesetzt, den Weg zu bereiten, den Vogelsberg wieder in die ursprüngliche Bestockung, wie sie vor ca. 1.000 Jahren sich natürlich hier entwickelt hatte, zu bringen. So sollen vor allem in den höheren Lagen ausgedehnte Buchen und Ahornwälder, gemischt mit Esche und Ulme sowie Eberesche das Landschaftsbild bestimmen. In den tieferen Lagen soll dafür gesorgt werden, dass wärmeliebendere Baumarten, wie Linde, Elsbeere, Feldahorn, aber auch Wildobst und andere ökologisch bedeutsame Baumarten, wie Weiden und Kirschen, die künftigen Buchenwälder anreichern. Aber auch die Fichte soll in weiten Bereichen des Vogelsberges heimisch bleiben, allerdings grundsätzlich nur in Mischung mit den genannten Laubwäldern.

Diese Aufgabe geht man an, indem in großem Umfange unter die noch vorhandenen Fichten der ersten Waldgeneration (sog. Voranbau) nach der Beweidung nun junge Buchen- und Ahornpflanzen gesetzt werden. Gleichzeitig lässt man den von Natur aus sich dort einfindenden Ebereschen und Weiden ihren Wuchsraum. Diese Laubholzanpflanzungen sind heute möglich, weil die seinerzeit in den Gräben gepflanzten Fichten den über Jahrhunderte durch Viehtritt verfestigten Boden des Vogelsberges mit ihrem Wurze gelockert und damit für die empfindlichen Wurzeln des Laubholzes wieder zugänglich gemacht haben. Aber auch die rauhen klimatischen Bedingungen im Oberwald haben sich durch den Windschutz, den diese Fichtenbestände geschaffen haben, so geändert, dass auch die empfindlicheren Laubbaumarten heute gute Wuchsbedingungen finden.

So ist der heutige Wald des Vogelsberges durch diese Maßnahmen in seiner Entwicklung hin auf dem guten Weg zu einem natürlichen und artenreichen Mischwald, der durch seine Zusammensetzung vielen anderen Pflanzen und Tierarten gute Lebensbedingungen in der Zukunft bieten wird. Das Rad der Waldgeschichte des Vogelsberges hat sich somit in 1000 Jahren einmal gedreht.

Nicht nur alle Waldbesitzer, sondern auch alle am Wald Interessierten sind gehalten, diese einmalig sich bietende Chance zu unterstützen, den Vogelsberg wieder in seine natürliche Bestockung zurückzuführen.