Vulkan und Leben Riffkalk auf Pillowlava

Damals, als wir noch am Äquator wohnten 

Gar nicht weit von hier, im Lahn-Dill-Gebiet gab es einmal, vor vielen, vielen Jahren – um genau zu sein: vor über 380 Mio Jahren, einen wunderbaren Ozean mit schönem warmen Wasser. In dem tummelten sich Fische, Amphibien und Seelilien. Schwammartige Stromatoporen und Korallen schufen in Küstennähe bunte Unterwassergärten und Kalkburgen. Der Vogelsberg war damals Teil einer großen Insel (Franco-Alemannische Insel), auf der  keine Palmen, sondern die Vorläufer unserer heutigen Pflanzen wuchsen: Urfarne und Bärlappgewächse – hoch wie Bäume. Damals lag Deutschland noch in der Nähe des Äquators und es war entsprechend tropisch warm. Ein ideales Urlaubsparadies also, wenn es da nicht noch ein paar Kleinigkeiten gegeben hätte: Vulkane.

Feuer trifft Wasser

Durch das heutige Lahn-Dill-Gebiet verlief damals die Bruchzone eines uralten Riesenkontinents. Die Erdplatten bewegten sich voneinander weg. Diese Dehnung führte zu intensivem Vulkanismus entlang der Bruchzonen. Anders als auf dem Land entstanden keine feuerspuckenden Krater, denn die rotglühende Lava floss direkt ins Meer. Die hohe Wasserdecke verhinderte große Explosionen, sie „schreckte“ die Lava schnell ab.

Das Zusammenspiel von Feuer und Wasser schafft interessante Erstarrungsformen: Während die Oberfläche der heißen dünnflüssigen Lavaströme  erstarrt und – ähnlich wie bei einem frischen Pudding – eine „Haut“ bildet, drückt die nachströmende Gesteinsschmelze nach. Die Haut reißt auf und die ausströmende Lava bildet sofort wieder eine Kruste aus, bis lange Schläuche entstehen, die aus lauter „Kissen“ gebildet werden. – So lässt sich an dieser Erstarrungsform erkennen, dass dieser Vulkan unter Wasser gebildet wurde.

Je nach Fördermenge des brodelnden Magmas entstanden nach und nach untermeerische Vulkane, die aus vielen sich überlagernden Lavaströmen bestanden.
Die Größten bildeten Untiefen, oder ragten schließlich als Vulkaninseln über die Meeresoberfläche. Die nährstoffreichen Vulkangesteine boten optimale Wachstumsbedingungen für Korallen und andere riffbildende Organismen. So entstanden in der Folgezeit mächtige Riffe, die sich hunderte von Metern übereinander lagerten.

Vulkane, Quelle des Lebens

Vulkane haben einen schlechten Ruf, jeder denkt sofort an Katastrophen und Menschenopfer. Aber was wären wir ohne Vulkane?  Schließlich haben sich die Erdatmosphäre und die Meere – Basis unseres Lebens – durch Vulkantätigkeit gebildet. Und unsere fruchtbarsten Ackerböden bestehen aus verwittertem Vulkangestein.
 
Ohne Vulkanismus hätten wir uns Kiemen und Flossen zulegen müssen, denn die Erde wäre ein großer Ozean ohne Land. ... ... Die hohen Temperaturen im Erdkern sind der Motor der Plattentektonik und des Vulkanismus. Was die Erosion abträgt, bauen Vulkane an anderer Stelle wieder auf.

Wer das alles ein bischen genauer haben möchte, begebe sich auf den Geopfad im Naturpark Hoher Vogelsberg, zwischen dem Hoherodskopf und Ilbeshausen-Hochwaldhausen. - Viel Spaß auf der Zeitreise!

Fotos: Mt. Kilauea, Hawaii – istockphoto/ joeygil; Foto links: Wikimedia Commons; Grafik: LfU Bayer