10 Sekunden, die die Welt verändern

oder: Das Gestein, das vom Himmel fiel

Nachrichten, die wir nie hören möchten:

Ein Meteoriteneinschlag vor 14,5 Millionen Jahren riss einen 25 km großen Krater in die schwäbische Landschaft: das Nördlinger Ries. Um sich das Ausmaß der Kräfte, die dort wirkten zu verdeutlichen, habe ich es in unsere Region und in die Gegenwart verlegt. Eine Reportage aus Amerika – in Deutschland wäre niemand mehr in der Lage gewesen darüber zu berichten – würde sich ungefähr so anhören:

Von unserem Korrespondenten aus New York: Gestern morgen schlug ein Meteorit mit einem geschätzten Durchmesser von einem Kilometer in den Vogelsbergen, Mitteldeutschland ein und verursachte eine Katastrophe, deren Ausmaße noch nicht absehbar sind.
Augenzeugen in Frankreich berichteten von einem Stern am Morgenhimmel, der binnen Minuten so groß und hell wie die Sonne wurde und dann – vermutlich beim Aufprall auf die Erdatmosphäre – in einem riesigen Feuerwerk explodierte. Beobachtungen und Berechnungen unser Satelliten registrierten einen gewaltigen Aufschlag. Der Hauptteil des Meteoriten durchschlug mit 70 000km/h die Atmosphäre und bohrte sich in das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Schotten. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass er einen Krater von 4 km Tiefe und 13 km Breite riss. In Sekundenbruchteilen wurde eine Energie freigesetzt, die der von 250 000 Hiroshima-Atombomben entsprach. Der Meteorit und das obenliegende Gestein einschließlich der betroffenen Ortschaften verdampften sofort.

Die Hunderte von Metern mächtige Basaltschicht des Vogelsbergs und alle darunter liegenden Gesteinsschichten wurden enorm verdichtet, zerbrochen, aufgeschmolzen und seitlich mit Höchstgeschwindigkeit herausgeschleudert.. Eine Explosionswolke aus Dampf, flüssigem Gestein und Trümmern schoss bis in die obere Erdatmosphäre. Über 400 Milliarden Tonnen Gestein wurden herausgeschleudert. Eine 2000°C heiße Glutwelle raste mit Überschallgeschwindigkeit über das Land und zerstörte jegliches Leben zwischen Mannheim, Bonn, Kassel und Eisenach. Zu Glas geschmolzene Gesteinsfetzen (Tektite) flogen unter anderem bis Berlin und zerstörten große Gewächshausanlagen am Bodensee. Die Hauptmassen des Auswurfs stürzten im 50 km Radius nieder. Sie verfüllten die Wetterau und die Lauterbacher Senke und machten Frankfurt, Fulda und Marburg dem Erdboden gleich. Selbst in Bad Hersfeld wurden viele Gebäude von versprengten Trümmern zerstört.
Als kurz darauf der 4 km tiefe Krater in sich zusammenbrach und sich verbreiterte, riss er die lockeren Gesteinsmassen am Rande ebenso wie Grebenhain, Laubach und Nidda mit.
 
Wie es aktuell im Katastrophengebiet aussieht, lässt sich nicht mehr per Satellit erkennen, denn eine riesige Staubwolke hat sich mittlerweile über Europa ausgebreitet und bedeckt bereits Teile des Atlantiks. Folgeschäden durch großflächige Brände, Ausfall der Stromversorgung und die Beschädigung nuklearer Anlagen sind zu befürchten.

Gefahr aus dem All – Entstehung von Meteoriten

Die Erde und die Planeten entstanden aus Gesteins-, Staub- und Gaswolken, die um die Sonne kreisten. Man nimmt an, dass sie sich durch den ständigen Zusammenstoß immer größerer Brocken formten. Die Gesteinsbrocken, die von der Entstehung des Sonnensystems übriggeblieben – Asteroiden – kreisen mit den Planeten um unsere Sonne, meist im Bereich zwischen Jupiter und Mars. Da sie viel kleiner sind, lassen sie sich leichter von ihrem Kurs abbringen. So wirft die Anziehungskraft des Jupiter gelegentlich einzelne Brocken aus ihrer Bahn. Sie werden zur Sonne hin abgelenkt und kreuzen dabei die Erdbahn. Wenn sich die Erde dann zur selben Zeit am Kreuzungspunkt befindet, führt das zum Zusammenstoß.

Meist ist der Aufprall harmlos, die Erdatmosphäre schützt uns

vor den Tausenden von kleinen Meteoriten, die als leuchtende „Sternschnuppen“ am Himmel verglühen. Selbst die Meteorite im Meterformat, von denen es mehrer jährlich gibt, schlagen selten in bewohnte Gebiete ein.
Nach Schätzungen der NASA müssten wir alle 200 000 Jahre mit einem Einschlag rechnen, der an die Größe des Meteors vom Nördlinger Ries heranreicht. Für Einschläge, die so groß sind, dass sie die ganze Menschheit vernichten könnten, liegt die Wahrscheinlichkeit bei einigen Millionen Jahren. – Kein Grund also für Sorgen!

Und außerdem - Das Leben schafft sich immer wieder neu.

Meteorite, Klimawandel oder Naturkatastrophen  verursachten das Aussterben ganzer Arten, wie das der Dinosaurier zum Ende der Kreidezeit. Dadurch öffneten sich Freiräume für die Entstehung neuer Lebensformen. So werden wir vielleicht eines Tages von den Insekten abgelöst?

Wie groß ist die Gefahr aus dem All? Wann haben wir einen neuen Einschlag zu befürchten?

Wie so ein Einschlag genau abläuft und warum es dazu kommt, kannst du auf dem Geopfad im Vogelsberg,  Hoherodskopf an der Suevit-Station erfahren. Und dir dabei das Gestein betrachten, dass kilometerhoch in den Himmel geschleudert wurde.

 

Das pockennarbige Antlitz des Mondes ist durch die zahlreichen Meteore entstanden, denen er ohne eine schützende Athmosphäre ausgeliefert war.
(Fotos und Montage: www.christina-marx.de)