Geschichten rund ums Vogelsberger Wasser

Trotz seines Wasserreichtums war das Wasser auch im Vogelsberg ein wertvolles Gut, das manchmal hart umkämpft wurde, denn saftige Weidegründe und klappernde Mühlen hingen von dem Verlauf der Bäche und Flüsschen ab. Allein entlang der Nidda gab es früher 16 Mühlen.

Um sich Vorteile zu sichern, wurden Quellen und Bachläufe mancherorts verlegt, was nicht nur zu Streitereien, sondern sogar zu Morden führte! Viele Namen, wie zB. „Streitbachquelle“, oder auch "Streithain" zeugen von dieser rauen Vergangenheit.

Der Streit um den Landgrafenborn

Die berühmteste Verlegung eines Wasserlaufes im Vogelsberger Oberwald ist überliefert: Jahrhunderte währte der Streit um den Grenzverlauf zwischen den Hessischen Landgrafen und dem Geschlecht der Riedesel, Freiherren zu Lauterbach. Im Zentrum des Streites standen hier die Jagdrechte und jeder wollte für sich ein möglichst großes Stück des wildreichen Waldgebietes sichern.

Als dann die höchstrichterliche Entscheidung fiel, fortan solle die Wasserscheide Rhein-Weser den endgültigen Grenzverlauf bestimmen, handelten die Landgrafen schnell. Sie machten den Bauern von Breungesheim und Schotten Angst, sie würden ihre Wasserrechte verlieren und gewannen sie damit als Unterstützer.

Unmittelbar nach der Urteilsverkündung gruben die Bauern ein neues Bachbett für den heute sogenannten „Landgrafenborn“ und leiteten ihn in die gut 600m entfernte Niddaquelle ein. So floß dieses Bächlein jetzt nicht mehr in Richtung Weser, sondern in Richtung Rhein und die Landgrafen hatten diesen Streifen Landes dadurch dazugewonnen.

Wenn nicht der Naturpark, in Erinnerung an die Historie, den Graben regelmäßig pflegen würde, wäre er heute längst versandet und das Landgrafenwasser würde wieder seinem natürlichen Lauf in Richtung Weser folgen.

Mehr Geschichten zum Wasser im Vogelsberg:

Wer noch Geschichten über das Wasser im Vogelsberg kennt, kann sie uns gerne schicken, wir nehmen sie hier gerne auf: naturpark(at)freenet.de